Vortrag: Das Millionenspiel – die Finanzierung der Vereine in der Fußballbundesliga

Michael Häger ist Senior Partner und in den Bereichen Wirtschaftsprüfung und Corporate Finance & Advisory Services tätig. Als Mitglied des Vorstands der Gesellschaft verantwortet er den Bereich Markets & Clients und ist Leiter ihres Industriegruppen-Programms, in dem die Firma ihre industriespezifische Expertise bündeln. Er verfügt über rund 25 Jahre Berufserfahrung. Der Präsident ergänzt aus eigener Erinnerung, dass der Referent über umfangreiche Fachkompetenz zum Thema Fußball verfügt.

 

Der Titel des Vortrags von Herr Häger lautete „Das Millionenspiel – die Finanzierung der Vereine in der Fußballbundesliga“:
Der Titel hätte besser „Milliardenspiel“ heißen müssen. In 2015/16 wurden in der 1. und 2. Bundesliga 3,24 Mrd. Euro Umsatz erzielt – mit nur 53.000 Mitarbeitern.

Fußball entzieht sich der Rationalität; es geht um Emotionen, um Gefühle und nicht zuletzt um Macht. Anders sind 35.000 Teilnehmer auf der letzten Mitgliederversammlung von Schalke 04, die das Stadion füllten, nicht zu erklären.
Obwohl oder gerade weil er bekennender Borussia Mönchengladbach Fan ist, wurde Herr Häger von Schalke 04 als Berater engagiert – denn von ihm versprach sich Schalke die nötige Objektivität. Es wurde befürchtet, dass einem Schalke-Fan die Objektivität in diesem emotionalen Umfeld wohlmöglich zu schnell verloren geht.

Fußballvereine in Deutschland sind als gemeinnützige Vereine organisiert. Diese Organisationsform des e.V. schränkt die Finanzierungsmöglichkeiten signifikant ein. So darf der Verein keine Gewinnmaximierung betreiben und ist für die Bankenfinanzierung uninteressant, auch ist der gemeinnützige e.V. für einen Börsengang ungeeignet. Es bleiben die Zuwendungen durch Sponsoren. Andererseits haben Fußballvereine in letzter Zeit enorme Beträge aus dem Verkauf von Fernseh-Übertragungsrechten verdient und dadurch eher das Problem, das Geld schnell wieder auszugeben. Denn Vereine dürfen kein Vermögen bilden, sonst droht sofortiger Verlust der Gemeinnützigkeit.

Ein Phänomen im Fußball ist der Spielerberater. Über diese Personen laufen ¾ aller Transfers. Sie lassen sich von den Vereinen für ihre Beratung bezahlen und erhalten 10% aus allen laufenden Einnahmen eines von ihnen vermittelten Spielers. Wenn der abgebende Verein, der aufnehmende Verein und der Spieler für eine Vermittlung zahlen, verdient der Vermittler dreifach. Trotz der Nähe zur Unseriösität derartigen Geschäftsgebarens sind Spielerberater eine feste Größe im Fußball.
Spieler, die über Ablösesummen „käuflich“ erworben wurden, werden in der Bilanz der Vereine aktiviert. Beim jährlichen Wertansatz gilt das Niederstwertprinzip, d.h. die Abwägung zwischen Anschaffungs- und Marktwert. Mangels besserer Daten stammt letzterer Wert aus www.transfermarkt.de, einer virtuellen Spielerbörse, auf der die Nutzer über die Werte der Spieler abstimmen.

Zuletzt gab es zu Fragen der Clubmitglieder noch weitere interessante Statements:
Hilft es, bei verlorenen Spielen den Trainer zu feuern? Statistisch gesehen führen kurzfristige Trainerwechsel nicht zum Erfolg. Aber es geht nicht um Rationalität, son-dern um Emotionen, die mit dem Feuern des Trainers bedient werden.
Helene Fischer ist der Tod des Fußballs!. Fußball bedeutet Emotion – nicht Show: Jeder im Stadion will, dass sein Verein gewinnt. Showeinlagen sollte man daher nicht in den Mittelpunkt rücken. Auch der Videobeweis zerstört die Emotionalität des Spiels.
Ob börsenfinanzierte, finanziell besser ausgestattete Vereine erfolgreicher seien? Der Referent stritt dies ab, Geld schießt keine Tore. Das erfolgreichste Fußball-Land ist Spanien, die in ihrer Vereinsstruktur mit Deutschland vergleichbar sind, nicht U.K. Maßgeblich ist nicht das Geld, sondern die Nachwuchsförderung. In Deutschland hat sich Leipzig durch gute Nachwuchsförderung ähnlich profiliert.