Vortrag von Gero Bergmann, Mitglied des Vorstands der BerlinHyp AG: „Aktuelle Trend in der Immobilienwirtschaft“

Gestern hatten wir Herrn Gero Bergmann, Mitglied des Vorstands der BerlinHpy AG, Berlin, der Immobilienbank aller Sparkassen in Deutschland, zu Besuch. Herr Bergmann ist im Vorstand zuständig für Vertrieb, Refinanzierung und Personal.
Aufgrund der niedrigen Zinsen der EZB kann man von einer Flucht in Immobilien sprechen – Immobilien sind quasi alternativlos. Wobei 50% der Investoren aus dem Ausland kommen und in Deutschland einen sicheren Hafen für Ihr Geld suchen.
Anhand von drei Megatrends stellt Herr Bergmann die Anforderungen an zukunftsträchtige, d.h. finanziell attraktive Immobilien mit geringen Risiken dar:

1. Demographischer Wandel.
Stichworte wie (Down-) Aging bestimmen die Diskussion. Wie sollten die Pflegeheime von morgen aussehen, welche Konsequenzen ergeben sich aus der Verschiebung von der traditionellen Familie zu neuen Lebensformen? Eine schrumpfende Bevölkerung steht den Trend zur Haushaltsverkleinerung bzw. Singleianisierungder Bevölkerung gegenüber. Wohnungsleerstand steht einem Nachfrageüberschuss nach urbanen Wohnformen gegenüber. Moderne Wohnformen könnten soziales Wohnen und Luxus vermischen, Trends zum Mikrowohnen sind erkennbar. Die regionalen Infrastrukturen müssen die Metropolen besser anbinden, um auch weiter entfernt von den begehrten Zentren attraktiven Wohnraum anbieten zu können.

2. Digitalisierung:
Den Ausführungen stellt Herr Berghausen ein Zitat vorab, dass sinngemäß lautet: Es stellt sich nicht die Frage, ob man sich verändern muss, sondern nur, wie schnell man sich verändern muss. Trotzdem sieht er die Angst vor der Digitalisierung als überzogen an.

3. Nachhaltigkeit:
Die Anforderungen an die Logistik – zur Versorgung der wachsenden Metropolen und durch die Zunahme des c-Commerce – werden weiter steigen. Bisher konnten sich Konzepte für sog. „White Label Hubs“, also neutrale Anbieter, die den traditionellen (Fern-) Verkehr auf Elektro LKW für die städtische Versorgung umladen, nicht durchsetzen. Aus Kostengründen werden sich vermutlich aber eher Drohnen durchsetzen (was eine kontroverse Diskussion auslöste). Im Fernverkehr klingt eine Überbauung der Autobahnen als futuristisch, drängt sich aber als Zukunftslösung auf.

Diskussion:
Ob wir es mit einer Immobilienblase zu tun hätten, verneinte der Referent. Vielmehr befinden wir uns in einer Aufholjagd im Vergleich mit der eher geringen Bautätigkeit vor zehn Jahren. Aber der Markt sei deutlich überhitzt, und die Schere zwischen Kaufpreis- und Mietpreissteigerungen geht immer weiter auseinander. Es wird immer schwerer, die aktuellen Kaufpreise durch Mieten zu verdienen, und schwache Objekte könnten bald kippen.
In der weiteren Diskussion ging es auch um die Zukunft des Euro, beginnend mit dem Geburtsfehler der Währungsunion, eine Einheitswährung ohne einheitliche Wirtschafts- und Finanzpolitik zu schaffen. Die aktuellen nationalistischen Tendenzen der Euroländer lassen eher noch eine Verschärfung der Krise befürchten, dass nämlich die Euroländer noch stärker auseinanderdriften. Aber eine Rückkehr zu nationalen Währungen würde den politischen Frieden in Europa
massiv gefährden, da das Wirtschaftsgefälle zwischen den Nord- und Südländern massiv spürbar wird. Dabei sieht der Referenz den Euro als endlich an, der aktuell nur durch die Niedrigzinspolitik und die „Droge“ der massiven Geldschöpfung (durch den Ankauf von Staatsanleihen) überlebt – die jetzt aber zurückgefahren wird. Das Statement endet mit einem Plädoyer für die Investition in Sachwerte wie Oldtimer und eben Immobilien.