Vortrag Wolfgang Bruhn, Geschäftsführer StepStone GmbH: „Mitarbeiterrekrutierung gestern, heute, morgen“

Die StepStone GmbH ist eine 100%ige Tochter des Axel Springer Konzerns; sie ist Marktführer in der Stellenvermittlung und mit über 3.000 Mitarbeitern in 24 Ländern tätig. Die Gründung von StepStone war die strategisch konsequente Antwort auf das Wegbrechen des traditionellen Stellenmarktes in den Print-Medien.

In der Vergangenheit war die Personalrekrutierung geprägt vom hohen Angebot an Bewerbern (geburtenstarke Jahrgänge) mit einem eingespielten Stellenmarkt überwiegend in den Zeitungen/Zeitschriften; Wettbewerb um Arbeitskräfte war kaum vorhanden.
Die heutige Arbeitsmarktsituation wird geprägt durch ein kontinuierlich fallendes Arbeitskräfteangebot und massiven Arbeitskräftemangel quer durch alle Berufsgruppen. Weder die häufig herbeigeschworene Jobvernichtung durch Digitalisierung noch die Zuwanderung von Flüchtlingen können dies aktuell ausgleichen.
Infolge des hohen Wettbewerbs um qualifizierte Bewerber sind neue Lösungen erforderlich, z.B. die längere Beschäftigung älterer Menschen, die stärkere Beschäftigung von Frauen und die internationale Rekrutierung qualifizierter Arbeitskräfte.
Dabei ergeben sich aus der Digitalisierung und dem daraus resultierenden Veränderungsdruck auch ständig neue Anforderungen an vorhandene und neu einzustellende Mitarbeiter, was Personalabteilungen vor erhebliche Herausforderungen stellt.
Den veränderten Anforderungen und Bedürfnissen der Bewerber – die inzwischen fast nur noch über digitale Plattformen erreicht werden– muss Rechnung getragen werden: Die knappen Bewerber der Generation Y (1980/90) und Generation Z (nach 2000 geboren) können Ansprüche stellen, hinzu kommt, dass sie z.T. auch finanziell unabhängiger sind (Erbengeneration!).

Arbeitgeber müssen sich bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter auf diese neuen Bedingungen einstellen durch Nutzung von Online-Tools, durch Präsenz in speziellen Communities, schnelles Feed-Back, modernes Firmenimage, und nicht zuletzt durch verbesserte Arbeitsbedingungen für alle Mitarbeiter.
Rekrutierung ist zum Schlüsselthema für den Unternehmenserfolg geworden und damit Chefsache.

In der anschließenden Diskussion wurden weitere Einzelaspekte beleuchtet:

  • Trotz hoher Jugendarbeitslosigkeit bei unseren südlichen Nachbarländern sind nur wenige Arbeitskräfte nach Deutschland gekommen, und viele gehen jetzt, wo es in den Heimatländern wirtschaftlich wieder aufwärts geht, wieder zurück. Herr Bruhn sieht dies in deren fehlenden Anerkennung in Deutschland begründet.
  • StepStone unterstützt seine Topkunden auch bei der Verbesserung ihres Firmenimages, einer wesentlichen Voraussetzung im Wettbewerb um die beten Bewerber. Grundsätzlich passen diese individuellen Aktivitäten aber nicht in die Firmenstrategie, die mit seinen Internet-Plattformen auf ein skalierbares Geschäftsmodell setzt mit Wachstum (fast) ohne Mehrkosten.
  • China konnte seine wirtschaftliche Rückständigkeit als billige Werkbank der Weltwirtschaft aufholen und sich schrittweise an westliche Produktions- und Wohlstandsniveau annähern. Dieser Weg ist Afrika verbaut, da sich die Kostenvorteile automatisierter Fertigung nicht mehr durch billige Arbeitskräfte unterlaufen lassen.