Vortrag von Hildegard Müller, Vorstand Netz & Infrastruktur der innogy SE

Der Präsident Michael Thomas stellte die Referentin, Frau Hildegard Müller vor, eine persönliche Bekannte aus der gemeinsamen Zeit in der Jungen Union:

Frau Müller machte zuerst eine Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Dresdner Bank in Düsseldorf. Anschließend begann sie 1989 ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, welches sie 1994 als Diplom-Kauffrau abschloss. Danach kehrte sie 1995 als Abteilungsdirektorin zur Dresdner Bank zurück.
Politisch engagierte sich Frau Müller zuerst in der Jungen Union, von 1998 bis 2002 als deren Bundesvorsitzende. Sie war von 2002 bis 2008 Mitglied des Deutschen Bundestages, ab 2005 als direkt gewählte Abgeordnete des Wahlkreises Düsseldorf. Ende 2005 wurde sie als Staatsministerin im Kanzeleramt und Beauftragte für die Bund-Länder-Koordination in die Bundesregierung unter Angela Merkel berufen. Auch war sie zuständig für Bürokratieabbau und verhandelte die Gesundheitsreform mit.
Von 2008 bis zum 30. April 2016 stand sie als Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) vor. Zum um 1. Mai 2016 wechselte Frau Müller als Netzvorstand zur RWE International SE; ab Mai 2017 als Vorstand für Netze und Infrastruktur und Mitglied des Gesamtvorstandes zur neu gegründeten innogy SE. (Informationen aufgefrischt durch Wikipedia)

Der Vortrag: Der Reaktorunfall in Fukushima löste in 2011 in Deutschland den Ausstieg aus der Kernenergie aus: Gegen das Argument „Das Restrisiko ist nicht beherrschbar“ fanden sich, anders als bei den Reaktionen auf das Reaktorunglück von Tschernobyl 1986, keine Gegenstimmen mehr.
Durch den Atomausstieg in Verbindung mit den internationalen Klimaschutzzielen hat die Bundesregierung mit dem EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) den Kurs vorgegeben, erneuerbare Energiequellen massiv auszubauen, um fossile Energieträger – als Verantwortliche für den CO2 Ausstoß und in Folge für die globale Erwärmung – und um die Kernenergie abzulösen.
Hierzu beleuchteten der Vortrag sowie die sich anschließende engagierte Diskussion zahlreiche Aspekte, die nur beispielhaft wiedergegeben werden können:
– Forschung und Innovation sind wesentliche Voraussetzungen für den Erfolg der Energiewende; die Technologieführerschaft ist entscheidend. Beispiel: Die Straßenlaterne „kann auch Licht“, d.h. in Zukunft ist sie vielleicht vorrangig ein Versorgungspunkt für E-Mobilität.
– Wichtige Themen, die man nicht besetzt, werden im Gegensatz zu früher in kürzester Zeit von anderen Playern übernommen. Für die eigene Wettbewerbsposition ist es immanent wichtig, die richtigen Themen zu erkennen und Lösungen anzubieten. Beispiel: Automobilindustrie, die durch die Verteidigung ihrer Investitionen in Dieselmotoren durch Firmen wie Tesla und Street-Scooter vorgeführt wird, analog durch Google in Bezug auf Autonomes Fahren. Bisher unbekannte Dritte können in kürzester Zeit die entstandenen Lücken besetzen.
– Digitalisierung gehört ebenfalls zur Energiewendedazu, z.B. effiziente Steuerung des Energieeinsatzes und der Energieverteilung.
– Die politische Umsetzung leidet unter der länderübergreifenden Komplexität; der Bürgerwille (vgl. Widerstand gegen die sog. Stromautobahnen) tut ein Übriges.
– Die Versorgungssicherheit steht weiterhin an oberster Stelle, umso mehr, wenn durch die Digitalisierung immer mehr Lebensbereiche von elektrischer Energie abhängig werden. Aufgrund der hohen Investitionskosten ist eine langjährige Planungssicherheit wesentlich.
– innogy steht für den sauberen Zukunftsstrom. Aber auch bei der RWE Muttergesellschaft, die für konventionelle Stromversorgung und für das Energiehandelsgeschäft steht, hätte sich Frau Müller ihre Zukunft vorstellen können; auch die RWE Mutter wird weiterhin eine wesentliche Rolle im Energiemarkt spielen.

Der Präsident und Teilnehmer danken Frau Müller für den wissensreichen, von der Erfahrung im Umgang mit Politik und Gesellschaft geprägten Vortrag.